Marianne Grave

Worüber staune ich in Lengfeld?
Von Portugal kommend (Deutsche Schule Lissabon), suchte ich Mitte der 70er Jahre in der Gegend von Würzburg eine neue Bleibe, da mir das Blindi eine Arbeitsstelle angeboten hatte. Eine Wohnung fand sich in Lengfeld und schnell ließ mich die Existenz eines Ökumenischen Zentrums hier aufmerken, nachfragen und staunen! Ungeahnte Möglichkeiten des Zusammenlebens und -arbeitens gingen mir durch den Kopf und ich freute mich auf nähere Kontakte.
Von der Familie her war Ökumene für mich völlig selbstverständlich, da meine Eltern in einer sogenannten Mischehe gelebt hatten und meine Schwester und ich evangelisch getauft waren, inzwischen aber zur katholischen Kirche gehörten, da unser evangelischer Vater im 2. Weltkrieg gefallen war. Evangelisches Internat, katholischer Jugendbund (Heliand) – Unterschiede waren mir damals überhaupt nicht bewusst und interessierten mich auch nicht.
Warum gehe ich ins ÖZ und was ist mir am christlichen Glauben wichtig?
Dass Christen auch offiziell zusammen lebten, beteten und kirchlich arbeiteten, war neu für mich, als ich nach Lengfeld kam, und faszinierend. Ich staunte über die Möglichkeiten, da wollte ich mitmachen und helfen, dieses Staunen in gemeinsames Leben umzusetzen – auch offiziell!
Das tat ich dann viele Jahre im Pfarrgemeinderat, danach 25 Jahre als Vorsitzende von „Partnerschaft Lengfeld-Pacoti“.
Das Staunen trat wieder in den Vordergrund, als ich nach der Verrentung ab 1999 viele Male jeweils ein halbes Jahr in der Partnergemeinde Pacoti in Brasilien verbrachte! Da weitete sich der Blick und damit das Staunen erneut, egal ob es sich um die Landschaft, die Sprache, die Mentalität, die Religiosität handelte! Da wurden die Weite des Christentums, die Größe erlebbar und spürbar.
Staunen und Dank stehen im Vordergrund!
Wie könnte es sein, dass ich da alleine vor meinem Gott erscheine? Auch Jesus zeigt auf den Nachbarn, den Nächsten, bei dem es völlig egal ist, durch welche Kirchentüre er zum Beten geht, wie uns die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 30-37) deutlich zeigt. Dass dies im ÖZ versucht wird, offiziell zu leben, zu realisieren, ist staunenswert – fürwahr! Da mache ich gerne mit, weil das Staunen nur die Basis sein kann und ich dann in der Liebe zu Gott antworten muss und möchte – und Jesu Geleit den Weg möglich macht. Von der Theorie zur Praxis, das ist wichtig – von der Gottesliebe zur Nächstenliebe. Oder umgekehrt: Von der Nächstenliebe zur Gottesliebe. Gemeinschaft im ÖZ hilft in festen Aufgaben und im Mitmachen – wobei heute vieles selbstverständlich geworden ist – auch das ist staunenswert!
Für mich gibt es noch einen wichtigen Grund, warum das Leben im ÖZ so wichtig und prägend wurde: Unsere Offenheit geht über die Kirchengrenzen Lengfelds hinaus – da gibt es seit fast 100 Jahren durch den Lengfelder Pater Kilian Mitnacht die Verbindung nach Pacoti in Brasilien, die wir im Laufe der Zeit intensivieren konnten.
Das Miteinander im Pfarreileben, in der Liturgie, im Gebet, in der Verkündigung im ÖZ und in unserer Partnergemeinde sind die Basis meines christlichen Lebens in Lengfeld.
Da kann ich nur staunen und danken!
Mehr zum Verein Lengfeld-Pacoti e.V.: https://wuerzburgwiki.de/wiki/Partnerschaft_Lengfeld-Pacoti_e.V.

Und außerdem?
Ich wurde ein Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg geboren.
Nach meiner Ausbildung habe ich drei Jahre als Erzieherin gearbeitet und bildete mich dann zur Sozialpädagogin weiter. In Lissabon leitete ich sieben Jahre einen Kindergarten und arbeitete danach 22 Jahre im Blindeninstitut in Würzburg-Lengfeld. All diese Erfahrungen haben mein Engagement in Pacoti in meinem Ruhestand geprägt.

Zum Foto: Marianne Grave mit Ulrike Scharf, der bayerischen Staatsministerin für Arbeit und Soziales, bei der Verleihung der Bayerischen Staatsmedaille für Soziale Verdienste im April 2025 https://kirche-lengfeld.de/aktuelles/nachrichten/details/ansicht/bayerische-staatsmedaille-fuer-marianne-grave/
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Und was gibt es Besonderes im ÖZ-Lengfeld im Monat Juli?



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